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Zum Jubiläumsjahr 2009

In der Rückschau auf die letzten 10 Jahre Djembe! Schule in den Räumen in der Warthestr.1 entdecke ich Freude und Zufriedenheit darüber, dass es mir gelungen ist einige wichtige Ziele zu verwirklichen und anderen nahezukommen:

Die Liebe und die Leidenschaft für die authentische Djembemusik aus Guinea und Mali mit den Menschen zu teilen, die sich ernsthaft dafür interessieren, und sie auf ihrem, oft langjährigen Weg im Lernen zu führen, zu unterstützen und zu begleiten. Dabei immer wieder die Qualität und Tiefe im eigenen Spielen und Lernenweiterzuentwickeln und die Schüler dahin mitzunehmen und für Neues zu begeistern.

Diese Musik ist ja über das Musikalische hinaus eine Entdeckung der eigenen Persönlichkeit, wie Mamady Keita im Vorwort unseres Buches sagt. Mein Anliegen ist es auch in vielerlei Hinsicht Grenzen zu erweitern und Verbundenheit mit dem afrikanischen Ursprung und der Kultur dieser Musik herzustellen. Dabei habe ich immer wieder das Glück mit Meistern dieser Trommelkunst zusammenzutreffen, und mit ihnen zu lernen und zu arbeiten.

Obgleich sich die Finanzierung der großzügigen Räume und des umfangreichen Programms von Anfang bis Heute als äusserst schwierig gestaltet, stand Qualität immer vor Quantität: zahlenmäßig ist die Schule gar nicht gewachsen. Dafür aber im inhaltlichen Sinn und auch im menschlichen Anspruch: ich brauche zu allen Schüler-Innen diesen persönlichen Draht. Und ich möchte, dass diese Schule ein Ort ist, in dem der ganze Mensch mit der Musik und im Lernen dieser wunderbaren Rhythmen weiterkommt und sich gesehen fühlt.

Dass die Schule heute weit über München und Bayern hinaus bekannt ist, verdanke ich der langjährigen Zusammenarbeit den besten Djembelehrern, vor allem mit Mamady Keita.

Von 1992 bis 2003 war er mein wichtigster Lehrer. Seine musikalische Meisterschaft und Spielfreude in Kombination mit pädagogischem Geschick und didaktischer Sensibilität inspirierte mich zur Konzeption und Durchführung eines Workshopprogramms für 5 Niveaustufen, was damals in der deutschen Djembeszene ein Novum war. Daher hatten wir bald TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland.

Sein Lebenswerk Tam Tam Mandingue durfte ich in dem dreisprachigen, und mittlerweile auch auf japanisch erschienenem Buch "Mamady Keita- ein Leben für die Djembe" einer weltweiten Leser-, Djembelehrer- und Schülerschaft bereitstellen.

Von 2004 an erweiterte ich mit dem Forum für Gastlehrer den musikalischen Horizont auch auf andere Djembestile, Regionen und Persönlichkeiten:

Meine eigene Spielweise veränderte sich einschneidend durch die Begegnung mit dem Musikethnologen Dr. Rainer Polak und die Auseinandersetzung mit seinem Konzept der Swingtypen und des Microtimings in der Djembemusik aus Bamako/Mali. Wir brachten 2004 auch erstmalig in Deutschland Vorträge, Workshops, und Konzerte zu diesem Thema auf den Weg, und erkannten die Notwendigkeit dieses Wissen für Djembelehrer zugänglich zu machen. Die münchner Meisterklasse für Djembe-Solo gibt seit nunmehr 4 Jahren den Rahmen für diepraktische und theoretischeKompetenzerweiterung von professionellen DjembemusikerInnen.

Eine große Bereicherung für die Schule ist auch die Zusammenarbeit mit Billy Konate, der uns als junger Meistertrommler an der reichen Musik-Tradition seiner Familie und Herkunft aus Oberguinea und Conakry in vielen Workshops und Konzerten teilhaben lässt. Die CD Siyara Manden Mansa, die wir gemeinsam produziert haben, unterstützt die Ecole de Tam Tam Konatekunda in Guinea.

Nicht zuletzt liegen mir die Kindergruppen unter der engagierten Leitung von Markus Endres besonders am Herzen. Die musikalische Kraft und das soziale Potential dieser Musik pädagogisch zu nutzen erscheint uns heute schon fast als selbstverständlich. Bisher gibt es hier aber noch keine professionalisierende Ausbildungsmöglichkeit.

Für die Zukunft wünsche ich mir meine langjährigen Erfahrungen und Kompetenzen in die Aus- und Fortbildungsebene von Lehrern und Musiklehrern noch stärker einbringen zu dürfen. Dafür arbeite ich seit Jahren an der Konzeption einer mehrjährigen Ausbildungsgruppe. Denn erst eine solide Kenntnis der Musik und Ausbildung von weitreichenden Fertigkeiten mit den Instrumenten Djembe und Basstrommeln erlauben ein souveränes Weitergeben und flexibles Anpassen der Musik an die jeweiligen musikpädagogischen und sozialen Gegebenheiten.

Darüber wird meine Arbeit an und mit der Basis nicht nachlassen, denn gerade im Bogenspannen vom Anfängergeist zu den Fortgeschrittenen und dem Ausbilden von Musikern und Multiplikatoren halte ich mich frisch und lebendig.

Ich bin gespannt wie es weitergeht und freue mich auf alles was kommt.Herzlichen Dank an alle, die mit mir unterwegs sind und waren!

Uschi Billmeier

 


Grußworte zum Jubilläum von Gastlehrern

polak.jpg    Rainer Polak

....Deine Schule ist gut organisiert und strukturiert, nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich. Zum Beispiel sind die Kurse immer mit Teilnehmer- gruppen besetzt, die sich durch ein ziemlich homogenes Niveau an musikalischen Kompetenzen auszeichnen. Das erlaubt es, sich bei der Arbeit zu konzentrieren auf die Kursinhalte -- die zu vermittelnden musikalischen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse -- und die Bedürfnisse der Gruppe im Rahmen ihrer Aneignungsmöglichkeiten. Das ist keineswegs selbstverständlich, es ist vielmehr Ergebnis der alltäglichen, allwöchentlichen Arbeit, auf die man als Gastdozent, der an einzelnen Wochenenden hereinschneit, angewiesen ist.

Das Hauptwerk meiner bisherigen Arbeit ist ja ein wissenschaftliches Buch, eine Doktorarbeit. Nach den langen Jahren der Arbeit an diesem Werk erfolgte ab 2004 ein grundlegende Neuorientierung meiner Berufsperspektive. Ich habe begonnen, wieder als lokaler Djembe-Lehrer in Bayreuth und als regional aktiver Konzert-Musiker in Bayern zu arbeiten. Gleichzeitig habe ich aber auch als Wissenschaftler weitergearbeitet. Bei meinem Versuch, Hochschule und freiberufliche Musikpraxis zu verknüpfen und dabei qualitativ voranzukommen -- dabei spielte mein Engagement als Gastdozent an der Djembeschule schon eine wichtige Rolle.

Ich wünsche der Schule, dass sie ohne allzu starke finanzielle Zwänge in Ruhe weiter wachsen kann, also vor allem qualitativ.

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Billy Konate:

 

Liebe Uschi,
Ich bin stolz darauf, an deiner Schule unterrichten zu dürfen und fühle mich respektiert. Du liebst meine Kultur und deine Arbeit, das merkt man. Und wie du deine Arbeit machst, das ist sehr korrekt und mit Respekt. Ich wünsche Dir, dass es mit dir und deiner Schule immer weitergeht und du ein langes Leben hast, um dein Werk fortzuführen.
Liebe Grüße. Billy

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Mamady Keita:

It was always a pleasure to work with you Uschi, and I wish you to continue your work, your ideas, your commiment and your understanding of my culture.